Outsourcing ./. Ein-Euro-Jobber
Dienstag, 13. Mai 2008 9:26
Das Vorhaben, die Abgeordneten-Diäten im Bundestag um weitere 16 % zu erhöhen, stößt so ziemlich überall auf Kritik. Der Verdacht, dass sich die Abgeordneten einfach selbst bedienen liegt nahe, wenn sie über die Höhe ihres Salärs selbst entscheiden können und es keine Kontrollinstanz dafür gibt. Eigentlich der klammheimliche Wunsch eines jeden Arbeitnehmers und der Horror der Arbeitgeber.
Man könnte sich natürlich auch nach Alternativen zu diesem unglaublich teuren Parlamentssystem umschauen. Da wäre es zum einen naheliegend, die gesamte Parlamentsarbeit einfach per Outsourcing nach Indien oder auf die Phillipinen zu verlagern. CallCenter, die in Asien stehen, sind für die moderne Dienstleistungsbranche ein Segen. Da die dortigen Arbeitnehmer bedeutend weniger verdienen und sich Auftragnehmer des Bundes ja auch nicht an ordnungsgemäße Arbeitsbedingungen halten müssen, passt das eigentlich auch ganz gut zusammen.
Wollen sich unsere Regierung oder besser der ganze Staat als Service-Unternehmen für das Volk (z.B. Berliner Polizei) begreifen? Wäre es da nicht angebracht auch so zu agieren und einfach alles mögliche in die Hände privater Subunternehmer zu geben? Wahrscheinlich würden sich die Damen und Herren in den indischen Bundestags-Outsourcing-Centern auch zu mindestens den gleichen nichtssagenden Anworten überreden lassen, die wir von den hier viel zu teuren Politikern bekommen? Sie wären dabei wahrscheinlich sogar freundlicher und würden uns ihr Dekollete nicht so offensiv präsentieren. Man könnte je ein Callcenter für eine Partei beauftragen – natürlich mit privaten Sponsoren. Damit bleiben dann auch die Vorhersehbarkeit des Abstimmungsverhaltens und natürlich die Unabhängigkeit gewahrt.
Aber das scheitert wohl daran, dass es einige wenige Bereiche gibt, in denen aktuell noch die Ansicht vorherrscht, ureigenste hoheitliche Aufgaben dürften nicht an Private abgegeben werden. Der Begriff ist natürlich dehnbar und inhaltlich mißverständlich. Soweit die Politik tatsächlich wie ihr immer wieder vorgeworfen wird reine Lobbyarbeit verrichtet, kann es sich schon dem Grunde nach nicht mehr um eine hoheitliche Aufgabe handeln, die sie da erfüllen.
Man kann aber natürlich auch ganz einfach die Arbeitsplätze in Deutschland bestehen lassen. Nur halt billiger. Wie wäre es denn mit den sog. Ein-Euro-Jobbern? Die dürfen zwar nur für Arbeiten eingesetzt werden, die eben regulär gar nicht erfüllt werden. Ob das auch wirklich in der Praxis so geschieht kann aber eigentlich auch dahinstehen, wenn man über die Arbeit der Volksvertreter Bundestagsabgeordneten nachdenkt. Guckt man sich so den Bundestag bei Debatten an, kommt einem schnell der Gedanke, dass die Arbeit dort nicht wirklich von Abgeordneten gemacht wird. Also kann man auch – so zu sagen pro forma – Ein-Euro-Jobber hinsetzen, die langweilige und inhaltlich leere Reden halten…
Stopp! Eigentlich sollten wir doch ganz glücklich sein mit der aktuellen Situation. Welches Industrieunternehmen würde denn ein indischen Callcenter-Mitarbeiter oder einen Ein-Euro-Jobber in einen Aufsichtsratsposten oder noch besser einen hochdotierten Beraterposten berufen? Sicherlich kaum eins. Im Grunde nehmen uns die Unternehmen doch schon den größten Teil der Kosten des Parlaments ab, wenn sie den meisten dort nette zusätzliche Gehälter zahlen. Und das führt ja nichtmals zu Interessenkonflikten…
just my 2 cents

Mittwoch, 14. Mai 2008 14:03
Ein-Euro-Journalisten sind auch was herrliches.
Selbstmordattentäter in Masar-i-Scharif gefasst
Kabul – Afghanische Sicherheitskräfte haben am nordafghanischen Bundeswehr-Standort Masar-i-Scharif einen Selbstmordattentäter mit 200 Kilogramm Sprengstoff festgenommen. Der 20-Jährige Tadschike und sein afghanischer Komplize seien gefasst worden, als sie versucht hätten, in die Stadt Masar-i-Scharif zu fahren, sagte ein Sprecher des Geheimdienstes NDS. Beide hätten gestanden, dass sie von einem El Kaida-Mitglied im pakistanischen Stammesgebiet an der Grenze zu Afghanistan instruiert worden seien.
Mittwoch, 14. Mai 2008, 11:02 © RZ-Online GmbH & dpa-infocom
Da man Agenturmeldungen nicht nachprüfen muss, kann man sowas ja einfach veröffentlichen, und tut es auch.
Wie die das in der Meldung Beschriebene geschafft haben wollen, würde mich viel mehr interessieren.
Mittwoch, 14. Mai 2008 14:31
Sie sagen ja nichts über den Zustand des Suizidanten aus, in dem sie ihn geschnappt haben. Und schon Störtebecker hat bewiesen, dass man für einfache Handlungen keinen Kopf braucht – warum sollte also Reden ohne Körper unmöglich sein?
Mittwoch, 14. Mai 2008 18:52
Gute Antwort, hilft einem sowas auch bei der Prüfung?
Hier hab ich dann noch einen:
Einsatz deutscher Soldaten außerhalb Nordafghanistans angefordert
Berlin – Deutsche Soldaten sollen in Afghanistan zeitlich begrenzt außerhalb ihres eigentlichen Einsatzgebietes im Norden des Landes Aufgaben wahrnehmen. Dem Verteidigungsministerium liege ein Antrag des Einsatzführungskommandos vor, rund 45 Soldaten auch in der Westregion zur Unterstützung der afghanischen Sicherheitskräfte einzusetzen. Damit bestätigte ein Ministeriumssprecher Informationen der ARD. Der Antrag werde zurzeit geprüft. Der Einsatz müsse von Verteidigungsminister Franz Josef Jung gebilligt werden.
Mittwoch, 14. Mai 2008, 18:57 © RZ-Online GmbH & dpa-infocom
Kam da nicht gerade kürzlich ne ganz andere Ansage? hat sich wahrscheinlich noch nicht bis in Presseagenturen rumgesprochen.
Oder gibts dafür auch ne Erklärung?
Mittwoch, 14. Mai 2008 19:27
Bei Prüfungen? Sicherlich. Ich hab bisher in der Hälfte aller Klausuren immer mindestens einen völlig schwachsinnigen, meistens aber politisch-kritischen Satz eingebaut und alle bestanden – zwei sogar mit nem Smiley neben dem betreffenden Satz ^^
Die BW-Soldaten SIND doch schon im Einsatz. Und da nur die Einsatzvorgaben geändert werden, hat das Parlament nichts mehr mitzureden… deshalb werden wir wohl demnächst einige Soldaten zu “humanitärer Hilfe” in den Iran / nach Lybien / Nordkorea schicken. Und wenns dann ans Eingemachte geht, braucht man kein Parlament mehr.
Mittwoch, 14. Mai 2008 20:32
Darf man fragen wie weit Sie überhaupt sind, und wie generell der Ausbildungsweg in der Juristerei aussieht? Ich hab da keine genaue Vorstellung und auch keine Ahnung von diesen Staatsexamen. Ab wann ist man Jurist, Volljurist, darf praktizieren etc.
Nur ganz kurz, kein Gutachten.
Ach so, ich dachte schon.
Mein Erklärungsansatz wäre ja gewesen: Wenn der Verteidigungsminister die BW nicht so einfach im Inneren einsetzen darf, (per BVerfG attestiert) ergibt sich ja sachlogisch, dass er im Äußeren die Erlaubnis dazu hat.
Grad kommt dieser Schuldnerberater im TV, ohne Ton, schön wie er den Leuten immer erklärt: Weniger Ausgaben als Einnahmen gleich Vermögenszuwachs.
Mehr Ausgaben als Einnahmen gleich Schulden.
Mich erstaunt das ernsthaft immer wieder, das es so viele Erwachsene scheinbar wirklich nicht begreifen.
Donnerstag, 15. Mai 2008 7:39
Hm, Hängt vom Bundesland ab. Daher erstmal grob für SH:
Grundstudium, bei dem man 6 recht einfache Klausuren bestehen muss.
Hauptstudium, 3 große Übungen (1 Klausur, eine HA) in ÖffRecht, Zivilrecht, Strafrecht.
Während Grund- und Hauptstudium muss man noch 3 Praktika absolvieren.
Schwerpunktprüfung Eigenständige Prüfung, die man im Themengebiet eines – ein Jahr zuvor – gewählten Schwerpunktes schreiben und später verteidigen muss (letzteres steht für Montag an). Zählt 30% des Examens.
1. Staatsprüfung aka Examen, 6 Klausuren (3 ZR, 2 ÖR, 1 StR), 3 mündliche Prüfungen, zählt insg. 70% der endgültigen “Examensnote”.
Zugleich mit dem 1. Examen kann man sich n Dipl.jur. verleihen lassen. Muss man nur irgendwann n Seminarschein gemacht haben.
So, danach Referendariat und dann zweites Examen. Und dann darf man sich auch Jurist / Volljurist / usw. nennen.
Daher bin ich noch immer ein schnöder cand. jur.
Freitag, 16. Mai 2008 13:03
Danke für die Erklärung.
Und viel Erfolg.
Montag, 19. Mai 2008 15:48
Und? Wie lief’s? ;–)
Dienstag, 20. Mai 2008 12:28
Sehr ärgerlich. 8,975 Punkte gesamt. Also um 0,025 Punkte am Vollbefriedigend vorbei :\ Aber trotzdem nicht schlecht und froh darüber, endlich diese Prüfung hinter mir zu haben.
Dienstag, 20. Mai 2008 16:36
Kenn ich, über sowas ärgert man sich fast noch mehr als komplett verhauen.
Aber wie sagte ein imho unterschätzter Kanler?
„Entscheidend ist was hinten rauskommt.“