Wer ist der Nächste?
Der Telekomskandal ist zumindest in den normalen Medien wieder ein wenig ins Hintertreffen geraten. Zwischendurch wurde ja auch der Deutschen Bahn unterstellt, sie habe sich ähnlicher Methoden bedient. Ob das stimmt oder nicht wird die breite Öffentlichkeit wohl erst sehr spät oder aber gar nicht mehr erfahren, wenn sich die Ermittlungsarbeit nur lang genug hinstreckt.
Nach einem Bericht von Tagesschau.de hat die Lufthansa mittels interner Kundendaten ebenfalls mind. einen Journalisten überwacht. Gegenüber dem Spiegel erklärte ein Vertreter der Lufthansa:
Die ausgewerteten Passagierdaten ständen intern ohnehin mehreren tausend Mitarbeitern zur Verfügung und würden deshalb weniger gut geschätzt als Angaben über Telefonverbindungen.
Ok, eine höhere Zahl an Zugriffsberechtigten kann man durchaus verstehen, wenn man die “Serviceleistungen” und Kundenschnittstellen bedenkt. Daher auch gleich einen niedrigeren Sicherheitsstandard zu begründen halte ich für gewagt. Und daraus dann herzuleiten, dass man die Daten aufgrund des selbst niedriger gelegten Sicherheitsstandards auch viel weiter benutzen könne ist schon an der Grenze zum Wunschdenken.
Ich stelle mir da gerade ein Interview mit einem fiktiven Rabattkartenunternehmen vor.
Reporter: “Sie haben also von Ihren Kunden vollständige Profile erstellt und diese auch noch weiterveräußert?”
Unternehmen: “Ja, selbstverständlich. Wir haben uns dabei aber am rechtlich Zulässigen orientiert.”
Reporter: “Die Daten haben Sie doch aber eigentlich mit einer Zweckbindung erhalten. Warum dürfen Sie diese denn nun auch für solche Profile verwenden, die der Kunde ja sicherlich nicht will?”
Unternehmen: “Nun sehen Sie, auf die Daten wird bei uns intern von so vielen Mitarbeiten zugegriffen, dass wir natürlich keine strengen Zugriffsregelungen aufstellen können. Das würde die Arbeit nur beeinträchtigen. Und aus unseren niedrigeren Sicherheitsstandards ergibt sich ja auch eine niedrigere Schutzwürdigkeit der Daten. Deshalb konnten wir diese auch ohne Einwilligung der Kunden außerhalb ihrer Zweckbindung verarbeiten und verkaufen.”
(Dieses Interview ist wie bereits gesagt natürlich frei erfunden und soll lediglich die Darstellung einer möglichen Erklärung für die Erklärung der Lufthansa sein. Ich hoffe darauf, dass die Lufthansa eben nicht diesen Gedankengang hatte und sich vielmehr auf gesetzliche Ermächtigungen zu diesem Eingriff berufen kann.)