… oder könnten dies zumindest. Das trifft jedenfalls auf jenen Großteil der Bevölkerung zu, der irgendwann in den letzten Jahren einmal in den Genuss kam, bei der Bundesagentur für Arbeit als “Kunde” aufgenommen zu werden. “Kunde” ist dabei der Neusprech für Leistungsbezieher oder Antragsteller. Die Bezeichnung ist wohl eines der Relikte von den zahlreichen Unternehmensberatungen, die mit mehr oder weniger Erfolg durch die Bundesagentur gefegt sind. Über ihre “Kunden” will die Bundesagentur dann auch einiges wissen und speichern.
Als Kunde hat man dann einen Sachbearbeiter und regelmäßig noch einen Leistungsberechner, die auf die gespeicherten Daten zur Aufgabenerfüllung zugreifen müssen. Die haben wiederum Stellvertreter und einen Teamleiter, deren Zugriff man vielleicht auch noch nachvollziehen kann. Manchmal kommen dann noch Mitarbeiter anderer Abteilungen dazu, die Zugriff auf die gespeicherten Daten benötigen, z.B. die Rechtsabteilung, wenn da irgendwas am Laufen ist.
Damit sollte sich der Kreis der Zugriffsberechtigten dann aber eigentlich auch geschlossen haben. Dachte ich in meiner naiven Welt. Tatsächlich verwendet die Bundesagentur für ihre Tätigkeit ein Programm namens VerBIS, mittels dessen nahezu jeder Mitarbeiter auf die gespeicherten Datensätze der Kunden zugreifen kann. So ganz ohne Anlass. Nur zum Spaß sozusagen. Bei deutlich über 100.000 Mitarbeitern ist die Schätzung von 100.000 Zugriffsberechtigten wohl nicht von vornherein falsch angesetzt.
Nur die Daten von Prominenten, aktiven Mitarbeitern und Leuten, die sich laut genug beschweren, werden natürlich gesperrt. Einen Ablauf für normale Bürger, die vielleicht ein virtuelles “Stalking” durch ehemalige Freunde und Bekannte in der Bundesagentur füchten, gibt es nicht. Jedenfalls sind Eingangszonenmitarbeiter und Teamleiter aber völlig überfordert, wenn man alleine nach einer Sperrung fragt.
Problembewusstsein? Sicher nicht. Die einzige Antwort, die man ohne großes juristisches Getose bekommt, lautet: “Aber der Zugriff ist doch verboten. Das macht doch niemand.” Nun, ich habe da anderes gehört. Gerüchten zu Folge sollen ehemalige Mitarbeiter auch Jahre nach ihrem Ausscheiden noch von Kollegen in VerBIS “beobachtet” werden. Es ist ja auch zu spannend, was der Idiot aus dem Nachbarbüro heute macht. Vielleicht ist er ja noch immer “Kunde”.
Dabei beweist die Beschränkung von Profilen Prominenter und der eigenen Arbeitnehmer doch gleich, dass die Sperren möglich sind und irgendwo in der Bundesagentur offenbar auch jemand sitzt, der einen Kern von Problembewusstsein besitzt. Es wäre schön, wenn er dies den Programmierern von VerBIS mal vermitteln könnte, damit vielleicht in Zukunft per default nur diejenigen auf meine Daten zugreifen können, die das auch wirklich müssen.